Freitag, 5. Mai 2017

Leseprobe von Ira Ebner und ihrem Buch "Cold Brittania"



Nachdem ich vor ein paar Tagen mein "Cold Britannia" vorgestellt habe, bekommt ihr zum Start ins Wochenende eine Leseprobe daraus. (Hoffe, es klappt auch mit dem Link darunter).

Die erste Maiwoche verging. Hester zerschnitt Tageszeitungen, klebte Artikel in ihren Ordner und schrieb darunter, was sie dachte. Sie kam jeden Morgen in den Welfare Club und wünschte James einen besonders guten Morgen.
Kann ich? Will ich? Soll ich?
Sie brachte ihm den Kaffee und lachte über seine launige Bemerkung. Plötzlich fehlten ihr die Worte. Zuvor war es selbstverständlich gewesen, dass sie ihn ansah. Sie wurde rot, als Archer und Scarfold kamen, um mit ihm zu sprechen. Darüber, dass in Nottinghamshire die Forderungen nach Recht auf Arbeit lauter wurden und sich ein Arbeiterkomitee in Mansfield gründete. Auch diese Artikel begann Hester zu sammeln.
Unter dem Fenster, drüben bei der Zeche, das gleiche Spiel wie jeden Tag. Die Scab-Busse blieben vor der Menge stehen. Die Pickets und die Frauen blockierten die vollen Laster. Hinter vergitterten Scheiben saßen Polizisten am Steuer.
Hester ging zur Versammlung des Frauenkomitees.
James steckte den Umschlag ein und zog die Tür zu. Er bemerkte, dass Hester an ihrem Platz saß und nachrechnete, was sie an Streikgeld ausgezahlt hatte.
„Ich dachte, du wärst nach Hause gegangen“, sagte er überrascht.
Sie erwiderte kopfschüttelnd: „Nein. Ich muss noch die Kasse prüfen. Wie du weißt, erledige ich meine Aufgaben lieber am selben Tag.“
„Geh jetzt nach Hause, oder …“, sagte er.
Hester verstaute ihr Buch in der Schublade und kam auf ihn zu. Sie stand vor ihm.
„Die WAPC planen für morgen eine Sitzblockade vor der Umbrage“, sagte sie verlegen.
„Pass auf dich auf“, sagte er.
Er schloss seine Arme um sie.
Kann ich? Will ich? Soll ich?
Ihre Hände lagen auf seinen Schultern, seine Lippen auf ihren. James fasste sich wieder, ließ sie los und holte tief Luft. Er strich ihr über die Haare, über die Stirn und sagte: „Du scheinst mir wirklich unerschrocken. Damals. Du vor der Zeche. Als du mir mein Tuch zurückgegeben hattest, wusste ich, dass ich dich irgendwann küssen würde.“
Hester hörte die Sekunden auf seiner Uhr ticken. Seine Hand lag an ihrem Ohr. Der Geschmack ihres Lippenstifts haftete auf seinem Mund.
„Komm“, bat er.
Sie folgte seinem Wort. Unten stieg sie in seinen Wagen.
„Es gibt etwas Wichtiges, was du wissen sollst“, sagte er, holte den Umschlag heraus und gab ihn ihr. „Das hier. Im Club kann ich nicht darüber sprechen, weil wir unter Beobachtung sind. Du weißt, wen ich damit meine. Ich traue Marc nicht.“
„Was hat das Ganze auf sich, Jim?“, fragte sie.
Sie blickte auf den Umschlag. Den hatte vorhin der Bote gebracht. Er lag unruhig zwischen ihren Fingern. Ihre Gedanken verursachten Chaos in ihrem Kopf.
„Lass uns aus Sherthorpe rausfahren“, sagte er.
Noch leuchtete das letzte Tageslicht, bevor sich die Dämmerung über Sherthorpes Türmen ausbreitete. James ließ den Ort hinter sich und steuerte auf die Landstraße zu. Aus den Wiesen stieg Dunst auf. Er berührte ihren Schenkel. In der Ferne strahlten die Lichter der Vororte Nottin-ghams. Orangene Straßenlampen, neonweiße Hauslichter. Hester ver-suchte, zu erraten, wohin sie sein Weg führte. Und wohin das Ganze führte. Er nahm nicht die Straße nach Nottingham, sondern fuhr weiter nach Norden. Sie las die Namen der einzelnen Ortschaften auf den Schildern.
„Wohin fahren wir eigentlich?“, fragte sie.
„Wart ab“, antwortete James.
An einer Kreuzung bog er links ab und fuhr durch ein Dorf. Über den Kreisverkehr die Hauptstraße entlang bis zu einer Farm. Die Straße verwandelte sich in eine Schotterpiste. Weidezäune liefen an Hesters Fenster vorbei. Im Zwielicht zwischen Abend und Nacht schimmerten die Stein-mauern weiß. Auf einer Anhöhe stand ein Wald. James hielt an und löste den Gurt.
„Mach den Umschlag auf“, sagte er und knipste das Innenlicht an. „Das sind die neuen Codes. Wir behalten sie für uns.“
Hester las neue Worte, Sätze, die belanglos klangen. Sie merkte sie sich, indem sie ein Bild aus ihrem Gedächtnis abrief. Sie steckte das Blatt in den Umschlag zurück und reichte ihn James. Er nahm ihn an sich und stieg aus. Der kühle Wind aus dem Wald wehte ihm durch die Haare. Er öffnete Hester die Tür. Sie sah zu den schwarzen Wipfeln der Eichen, die sich dem Himmel entgegenstreckten. Unten lag das Dorf und dahinter warf Nottingham sein Neonlicht in die Nacht. Über ihr funkelte der Abendstern, und er leuchtete gegen die immerzu helle Stadt an. Die Welt könnte so friedlich sein. Sie spürte die frische Nachtluft und fröstel-te in ihrer dünnen Bluse. James ging einige Schritte voraus, zur Kuppe der Anhöhe, und wartete, dass sie mitkam.
„Gefällt es dir hier?“, fragte er und zog sie zu sich heran.
„Ja“, antwortete sie.
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Leseprobe von Sandra Pulletz und ihrem Buch "Walpurgisnacht - Das magische Mal"



Guten Morgen an alle!
Ich darf euch heute zwei Leseproben aus meinen Geschichten posten. :) Vielen lieben Dank dafür!
Zunächst möchte ich euch einen Ausschnitt aus "Walpurgisnacht - Das magische Mal" zeigen.
Worum geht´s?
Ellie wartet sehnsüchtig darauf, dass sich das Mal zeigt, das sie zur richtigen Hexe macht. Denn sie darf nicht mit ihrer Mutter und Schwester zur geheimen Walpurgisfeier, stattdessen trifft sie sich mit ihrer Freundin Mia auf dem Maibaum-Fest. Eine Wahrsagerin warnt Ellie: Sie muss mehr Geduld zeigen. Außerdem ist Gefahr im Anmarsch! Hätte Ellie vielleicht doch nicht den Zauber anwenden sollen, der ihre magischen Fähigkeiten verbessert? Dann trifft sie auch noch unerwartet auf ihren Schwarm Till und gerät endgültig ins Schwitzen …
Genre: Jugend/Fantasy

Leseprobe:
Ellie macht sich gerade fertig, um mit ihrer Freundin das Maibaim-Fest zu besuchen:
Plötzlich schoss ihr eine Idee in den Kopf. Warum dem Schicksal nicht ein wenig nachhelfen? Schließlich war sie eine geborene Hexe, selbst wenn es sich noch nicht ausgeprägt zeigte. Aber ein bisschen kannte sie sich mit Magie aus. Diese wirkte bei richtiger Anwendung sogar bei nichtmagischen Menschen.
Sie schlüpfte aus dem Zimmer und ging auf Zehenspitzen in die Galerie, wo die Bücher standen. Sie hatte auch schon ein ganz bestimmtes im Kopf. Zum Glück musste sie nicht lange danach suchen, denn es war beinahe so, als hätte das Buch darauf gewartet, von ihr aufgespürt zu werden. Schnell zog sie es aus dem Regal, schlich wieder in ihr Zimmer und legte das Buch auf ihren Schreibtisch. »Magische Sprüche« stand in goldenen Lettern auf dem Einband.
Es gab sicher einen Zauber, der ihr bei der Verwandlung helfen oder sie zumindest vorantreiben würde. Aufgeregt durchblätterte sie das dicke Buch und las die Sprüche quer. Endlich fand sie den richtigen, wie sie hoffte. Das Ziel dieses Zaubers war, die magischen Fähigkeiten zu verbessern. Und die Anlagen dafür trug Ellie immerhin in ihren Genen, sie waren bisher nur nicht so wirklich zum Vorschein gekommen. Sie hatte bei diesem Spruch ein gutes Gefühl. Kurz überprüfte sie die Zutatenliste, aber es war alles im Haus. Sie brauchte erstaunlich wenig. Genauer gesagt nur eine schwarze Kerze und einen Apfel. Ellie erinnerte sich daran, dass sie im Esszimmer auf dem Tisch eine Schale frischer Äpfel gesehen hatte. Und eine schwarze Kerze befand sich sogar in ihrem Zimmer. Ganz unauffällig holte sie sich also das Stück Obst aus dem Esszimmer sowie ein Messer aus der Küche und ging damit zurück in ihr Zimmer. In ihrer Kommode lagen mehrere Schutzbeutel, einen nahm sie heraus und legte ihn neben den Apfel. Beim Entzünden der Kerze sagte sie den Zauberspruch auf. Anschließend schnitt sie den Apfel in zwei Teile, entfernte die Kerne und gab sie in den Schutzbeutel. Nun musste sie eine Hälfte des Apfels essen und anschließend eine innere Reise antreten. Vor sich sah sie einen Garten mit Apfelbäumen. In der Mitte befanden sich ein besonders knorriger Baum und eine alte Frau. Ellie trat näher an sie heran und wiederholte den letzten Teil des Spruches. Die Frau sagte zu Ellie: »Habe Geduld! Es wird bald passieren! Glaube an dich.« Dann verschwand sie und Ellie spürte, dass sie sich wieder in ihrem Zimmer befand. Für einen Augenblick war ihr schwindelig, aber sie fing sich bald wieder. Den Schutzbeutel befestigte sie mit einer Sicherheitsnadel unter ihrem Kleid. Im Buch stand zwar, dass es bis zu einem Monat dauern konnte, bis sich der Zauber erfüllen würde, aber Ellie hoffte, dass es schneller ging. Besonders da heute Nacht auch noch Vollmond war und Zauber da bekanntlich intensiver wirkten. Sie wünschte es sich einfach so sehr!
Hier kommt ihr direkt zum Buch: https://www.amazon.de/Walpurgisnacht-Das-magische-Sandra…/…/

Leseprobe von Sandra Pulletz und ihrem Buch "Konfekt mit Zucker-Kuss"



Jetzt habe ich noch die zweite Buchvorstellung für euch! :) Und zwar handelt es sich um "Konfekt mit Zucker-Kuss" - eine romantische Geschichte.
Worum geht´s?
Valentinstag – das Fest der Liebenden steht bevor, doch Valentinas Leidenschaft gilt allein der Konfiserie. Den Männern hat die Studentin längst abgeschworen, das Geschäft in dem kleinen Laden, in dem sie jobbt, um sich über Wasser zu halten, läuft schlecht und kaum jemand interessiert sich für das liebevoll von ihr kreierte Süßgebäck. Und als sei der ewig miesepetrige Chef nicht schon anstrengend genug, erlebt Valentina eine Enttäuschung nach der anderen. Doch dann steht sie plötzlich ihrem Traumprinzen gegenüber und das Happy End scheint mit einem Mal zum Greifen nah … Wendet sich Valentinas Leben schließlich doch noch zum Märchen? Und was hat es mit dem alten Mann mit dem auffälligen Hut auf sich?

Leseprobe:
Textausschnitt: Mitbewohnerin und Freundin Milka ist spät nachts von einer Party heimgekehrt. Valentina macht gerade Frühstück und erkundigt sich, wie der Abend gelaufen ist.
*****
»Morgen«, murmelte sie mit halboffenen Augen. »Was riecht hier so verdammt verführerisch?«
»Bacon.« Valentina betrachtete ihre Freundin von oben bis unten. Das Make-up war ein wenig verlaufen und die Haare standen ohnehin immer irgendwie ab. »Ist wohl spät geworden heute Nacht, was?« Sie schmunzelte.
»Jap. Hast du uns gehört?« Milka grinste unverschämt.
»Uns?«, fragte Valentina verdutzt.
»Hab ´nen süßen Kerl aufgerissen …«, erklärte Milka, schnappte sich eine Tasse und schenkte Kaffee ein.
»Ich dachte, auf der Party wären nur Studentinnen gewesen?« Valentina runzelte die Stirn.
»Nein, die Feier war bei ein paar Studentinnen.« Das -Innen betonte sie dabei extra. »Aber es waren natürlich auch Kerle eingeladen …«
»Soso«, meinte Valentina und holte sich ebenfalls eine Tasse Kaffee. »Und dann?«
»Irina hatte zwei Typen mit dabei und einer davon war eben Lukas. Groß, muskulös und geile lange Haare.« Sie setzte ein schmutziges Grinsen auf.
»Lukas also …« Valentina schmunzelte. »Hast du dich abschleppen lassen?«
»Nein«, entgegnete Milka sofort. »Ich habe ihn abgeschleppt.« Dann lachte sie laut los. Valentina schüttelte nur den Kopf, stimmte aber in das Lachen mit ein.
Milka legte die Hände auf die Schultern ihrer Freundin und schüttelte diese sanft. »Pst, nicht so laut!«
»Wieso? Bist du auch verkatert?«
»Nein, aber Lukas schläft noch …«, flüsterte Milka.
»Wo?«, entfuhr es Valentina.
»Na, in meinem Bett! Oder was denkst du?« Sie zog eine Augenbraue hoch. »Und was meinst du mit auch?«
»Was auch?« Valentinas Kopf begann wieder zu brummen.
»Ob ich auch verkatert bin«, antwortete Milka. Sie stupste ihre Freundin an. »Hast du etwa den ganzen Wein geleert?«
Ein schuldbewusstes Nicken von Valentina war die Antwort.
»Mensch, du musst dringend etwas ändern! Sonst bekommst du noch Depressionen vor lauter Kummer.« Milka streichelte über den Arm ihrer Freundin.
»Als ob du weniger getrunken hättest …« Valentina knuffte ihrer Freundin in die Seite.
»Das ist aber ein großer Unterschied, ob ich aus guter Laune heraus ein Gläschen zu viel hebe oder du wegen deiner Traurigkeit eine Flasche leerst«, sagte Milka belehrend.
»Ja, ja … halb so schlimm. Kommt sonst kaum vor«, blockte Valentina ab. Das stimmte ja auch. Und wenn schon, dann hatte sie eben einmal etwas mehr erwischt, als sie vertrug. Ansonsten war sie immer sehr vernünftig, fand sie.
»Guten Morgen«, sagte plötzlich jemand hinter ihnen. Beide Mädels drehten sich in Richtung Tür. Ein attraktiver Jüngling lehnte sich an den Türrahmen, Milka hatte nicht zu viel versprochen. Er trug nur Boxershorts und seine gut definierten Bauchmuskeln kamen dabei zur Geltung. Valentina bemerkte, wie sie rot wurde. Wie peinlich!
»Das ist Lukas«, stellte Milka den jungen Mann vor.
»Freut mich.« Er nickte in Valentinas Richtung.
»Mich … auch«, stotterte sie. Unglaublich, wie schaffte Milka es nur immer wieder, derart heiße Typen abzuschleppen? Nicht, dass sie es ihr nicht gönnen würde. Aber sie hatte keine Ahnung, wo sich diese schnuckeligen Kerle vor ihr versteckten. Immerhin war sie seit über zwei Jahre Single und bis jetzt war ihr niemand aufgefallen, den sie besser kennenlernen wollte. Bis auf den Märchenprinzen gestern, aber der war ja schon vergeben.
»Hier riecht es aber gut. Krieg ich auch einen Happen ab?« Der halbnackte Jüngling trat in die Küche. Valentina schluckte schwer und wandte sich hastig der Kaffeemaschine zu. »Auch eine Tasse?«, fragte sie, holte automatisch eine aus der Lade und goss Kaffee ein.
»Immer doch«, antwortete Lukas keck und nahm die volle Tasse entgegen.
»Milch, Zucker?«, wollte Valentina wissen.
»Nur einen Schuss Milch. Süß bin ich selbst genug …«
Valentina dachte, sie hätte sich verhört und blickte Milkas neue Eroberung an.
Er zwinkerte ihr zu. »War nur ein Scherz«, meinte er dann. »Dachte, ich lockere mal die verkrampfte Stimmung hier auf.«
Valentina war sich sicher, dass er damit nur sie meinte, denn die anderen beiden hier im Raum waren alles andere als verkrampft, wie sie fand. Milka küsste Lukas gerade, und die beiden benahmen sich so, als wären sie alleine im Raum. Aus dem Kuss entwickelte sich sogleich eine wilde Knutscherei und wer weiß, was noch alles passiert wäre, wenn Valentina sich nicht bemerkbar gemacht hätte. »Die Eier sind fertig!«
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Gerne könnt ihr hier noch etwas ins Buch schnuppern: https://www.amazon.de/Konfekt-mit-Zucker-Kuss-Sandra-Pul…/…/

Leseprobe von Karin Koenicke und ihrem Buch "Pretty Womanizer"



Und noch eine Leseprobe für euch! Dieses Mal aus meinem "Pretty Womanizer". Da mietet sich eine toughe Anwältin einen Begleiter für ein Abendessen - ausgerechnet Macho Logan erwischt sie! Später im Buch besucht sie ihn in der Autowerkstatt... vielleicht gefällt euch die Szene
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***
Er war der Letzte in der Werkstatt. Nur lag er heute nicht unter einem schwarzen Rover, sondern lehnte tief über der geöffneten Motorhaube eines schreiend rosa lackierten Cadillacs.
Sie ging näher an das Auto heran. Logans T-Shirt hatte Flecken, seine dunklen Haare standen in alle Richtungen und es war mindestens drei Tage her, dass er sich rasiert hatte. Trotzdem raubte sein Anblick ihr den Atem.
„Hi“, begrüßte sie ihn. „Ich würde gern mit dir reden.“
Er sah kurz zu ihr hoch, ohne sich ganz aufzurichten. Nicht einmal den Schraubenzieher, mit dem er dem Motor zu Leibe rückte, legte er weg.
„Keine gute Idee“, antwortete er nur und tauchte wieder in die Tiefen des Cadillacs ab.
„Oh, doch“, widersprach sie. „Es ist wichtig.“
Das schien ihn absolut nicht zu interessieren. Er griff nach einer bereitliegenden Zange und schraubte jetzt mit beiden Werkzeugen im Inneren des Oldtimers herum.
„Ich kann mir schon vorstellen, dass es schwer ist, aber wir haben uns entschieden“, erklärte er den Zündkerzen. „Es hat nicht funktioniert mit uns beiden, das ist nun mal so. Da nutzt es auch nichts, wenn wir jetzt alles noch einmal durchkauen.“
„Darum geht es mir gar nicht!“, stellte Rebecca klar.
Er jedoch hörte sie nicht, weil er weiterhin in den Motorraum hineinsprach. „Du und ich, das war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Damit muss man sich einfach abfinden. Außerdem war ich nie ein Freund der nachträglichen Analyse, damit tust auch du dir keinen Gefallen.“
„Logan, deshalb bin ich doch gar nicht hier!“
„Besser ein schnelles Ende, als alles unnötig in die Länge zu ziehen. Sonst tut es doch nur jedem weh. Und ein Neuanfang würde nichts bringen, das wissen wir doch genau, deshalb sollten wir erst gar nicht …“
„Verdammt, Logue, ich will überhaupt keinen Neuanfang!“, brüllte Rebecca und warf einen Schraubenschlüssel auf den Betonboden, dass es schepperte.
Logan fuhr endlich hoch. „Nicht?“, fragte er überrascht.
„Nein, du eingebildeter Macho! Es geht um etwas ganz anderes. Und jetzt tauch nicht wieder in diesen rosafarbenen Walfisch ein, sonst hau ich dir den nächsten Schraubenschlüssel auf den Kopf statt auf den Boden.“
Er schaffte es immer noch innerhalb weniger Sekunden, sie zur Weißglut zu bringen.
„Okay, okay.“ Logan hob die Arme, um Rebecca zu besänftigen, und legte seine Werkzeuge auf dem Regal neben sich ab. „Worum geht es denn dann?“
„Quentin hat mich gefeuert, weil er mich beim Schnüffeln in seinem Büro erwischt hat. Richterin Stanton hat mich ebenfalls rausgeworfen, als ich ihr von Quentins Betrügereien erzählen wollte. Beide sorgen jetzt dafür, dass ich nie mehr einen Job als Anwältin kriegen werde. Ich hab kein Geld, keine Arbeit, aber ich muss irgendwie beweisen, dass er Dreck am Stecken hat, schon allein wegen meinem Dad. Und wegen Benito Alvarez. Aber vor allem, weil er gegen das Gesetz und die Gerechtigkeit handelt. Allein schaffe ich das nicht. Können wir nicht rein platonisch zusammenarbeiten?“
Er sah sie einige Sekunden an. Dann blühte in seinem Gesicht ein kleines Lächeln auf.
„Bravo, Becky“, sagte er. „Im Gegensatz zu Donald Trump kommst du in deinen Ansprachen direkt auf den Punkt und kriegst vollständige Sätze zusammen.“
„Soll das heißen, du rätst mir, in die Politik zu wechseln, statt mich um Quentins Drogenspray zu kümmern?“
Er wischte sich seine öligen Hände an einem ebenso schmutzigen Tuch ab und schien nachzudenken.
„In der Politik könnten sie dich nicht brauchen, du bist zu wenig korrupt“, sagte er.
„Du hingegen erfüllst schon mal eine Voraussetzung: Du schaffst es, Fragen geschickt auszuweichen – zumindest meiner. Deshalb nochmals: Hilfst du mir? Auf rein geschäftlicher Ebene natürlich.“
Gespannt sah Rebecca ihn an. Er klappte die Stange ein und ließ die Motorhaube nach unten fallen. Mit einem lauten Knall schloss das rosa Monster sein Maul.
„Du wärst die erste Frau, die ihre Emotionen kontrollieren kann.“
„Ich bin nicht als Frau hier, sondern als stinksaure Anwältin, deren Karriere von einem Mistkerl mit verflucht guten Beziehungen zerstört wurde.“
Er neigte den Kopf zur Seite. „Das ist allerdings ein Argument.“

Donnerstag, 4. Mai 2017

Leseprobe von Karin Koenicke zu ihrem Buch "Der Mann aus dem Koffer"



Huhu! Auch ich darf eine Leseprobe posten, danke dafür!
Meine Pflanzenliebhaberin Melissa geht mit Patrick spazieren, dem "Mann aus dem Koffer". Sie hatte vorher seinen Lederkoffer ersteigert und ihn ausfindig gemacht.
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Sie gingen weiter, vorbei an Hecken und künstlerisch zurechtgeschnittenen Buchsbäumen in allen möglichen Formen. Natürlich bewunderte Patrick die ausgefeilten Werke. Melissa behielt für sich, dass sie so etwas albern fand. Ein Baum war ein Naturgewächs und keine Knetmasse, aus der man Männchen formte oder Schwäne oder sonstigen Unsinn. Für sie lag die Schönheit in einer frisch aufkeimenden Knospe oder dem mächtigen, uralten Stamm einer Korkeiche, nicht in lächerlichen Drahtgestellen, in die man einen Buchsbaum zwängte, damit er am Ende aussah wie eine Schildkröte statt wie ein Baum.
Nun ja, sie wusste schließlich schon, dass Patrick eher auf Künstlichkeit abfuhr. Auf Prada-Frauen mit Brillanten, während ein wenig Erde an den Händen ihn anekelte. Es war gut, das zu spüren, denn dann ...
Melissa fuhr zusammen. Sie hatte während der letzten Minute nur auf den Kiesweg geschaut und nicht darauf geachtet, wo sie hingingen. Nun jedoch strömte ein Duft auf sie ein, der sie wie ein unsichtbarer Mantel aus purer Magie umfing und tief in sie eindrang. Sie legte den Kopf in den Nacken, um zu sehen, worunter sie standen. Dabei wusste sie es längst.
Wie von einem Künstler gemalt, thronten sie auf den Ästen, die weißen Blüten der Magnolie. Anmutige Blütenblätter in reinstem Weiß entwuchsen jeder Knospe, am unteren Ende durchzogen von feinsten Linien in Purpur, wie von einem Maler mit einem Pinsel eingefärbt. Aber noch eindrucksvoller als der Anblick dieser Schönheiten war der Duft, den sie verströmten. Die Magnolie roch wie der Frühling selbst, frisch wie der Morgentau im Gras an einem sonnigen Tag, elegant wie junge Blüten, die aus den Knospen entwuchsen, zitronig-süß, als vereinten sich Honig und Limonen in einem Kuss.
„Sie riecht wie du“, hörte Melissa eine weiche Stimme sagen und stellte dann mit Erschrecken fest, dass es ihre eigene war.
Patrick kam einen halben Schritt näher, sein Duft vermischte sich mit dem der Magnolie, ließ Melissas Hände zittern. „Wie ich?“, fragte er, schenkte den prächtigen Blüten aber nicht die geringste Aufmerksamkeit, sondern suchte nur ihren Blick.
„Ja, wie dein Aftershave. Es hat mich von Anfang an den Duft von Magnolien erinnert, schon als ich es ...“, sie stockte, „... beim ersten Mal in der Bank gerochen habe“, ergänzte sie schnell. Um ein Haar hätte sie die Sache mit dem Koffer verraten, so sehr verwirrte sie die Mischung aus diesem herrlichen Duft und Patricks Nähe.
„Magst du es?“
Sie schluckte, um nicht sofort laut „Ja, sehr, es hat mich völlig umgehauen!“ auszurufen.



Leseprobe von Klara Bellis ihrem Buch "Trywwidt-Falsche Freunde"



Guten Morgen!   anbei eine Leseprobe aus „Trywwidt – Falsche Freunde“, Band 2 meines Urban-Fantasy-Projekts. Die Stelle erinnert ein bisschen an Chick-Lit, um die Leser auf eine Spur zu locken, die nicht unbedingt die richtige sein muss. Infos zum Buch: http://klarabellis.de/trywwidt-ein-urban-fantasy-roman/ Viel Spaß beim Lesen!
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Von wegen Pullunder und verschwitzte Achselhöhlen – und Kassator hieß e...r auch nicht. Ira Wiltruds Herz wummerte bis zum Hals. Dabei lag David Cazadors Wohnung im zweiten Stock. Die paar Treppenstufen boten ihrem Kreislauf definitiv keinen Grund, durchzudrehen. Der Anlass für das akute Herzpochen lag woanders. Besser gesagt, er stand direkt vor ihr im Türrahmen: Ein Mann, Mitte dreißig, bei dem es sich um das sprichwörtliche Bild von einem Mann handelte. Ein Bild, das „Guten Tag“, sagte.
„Äh ... also ... ich ...“ Ira schluckte. Nach drei entsetzlich langen Zehntelsekunden hatte sie ihr Sprachzentrum so weit unter Kontrolle, dass es für ein verlegenes Nuscheln reichte. „Tach! Würd mir gern mal die Wohnungen ansehn.“
Sie versuchte in ihrer übergroßen Winterjacke unterzutauchen und hielt nach Holger Siebold Ausschau, der sie – die manchmal ein klein wenig einsame Single-Frau – ohne Vorwarnung hier hergelockt hatte.
David Cazador, der sie mit neugierigen Blicken musterte, sah definitiv nicht wie ein verhuschter Sektierer aus. Er trug eine blaue Jeans und einen braun melierten Strickpullover, der seine athletische Figur betonte. Die kurzen, flachsblonden Haare waren ein wenig verstrubbelt. Sie passten gut zu den himmelblauen Augen und dem verschmitzten Grinsen im Gesicht, das ein verwegener Fünf-Tage-Bart umrahmte.
Wie schade, um das Grübchen am Kinn, wenn bald das Bartgestrüpp alles überwuchert, dachte sie. Wenigstens bei der Brille hatte sie recht behalten, die sie Siebolds Bekanntem vorhin angedichtet hatte. Wobei es sich um keine Nickelbrille handelte. „Hipsterbrille“ nannte Henryk, Korwins Studiotechniker, diese Art von Brillen mit extra dickem Rahmen.
„Hallo Frau Willtrud!“, krächzte Holger Siebolds heisere Stimme aus den Tiefen der Wohnung. „Schön, dass Sie so schnell kommen konnten.“ Seine rote Erkältungsnase leuchtete ihr von Weitem entgegen. „Ich gebe Ihnen mal lieber nicht die Hand.“ Er tippe sich an die Nase. „Hier ist der Mann mit dem gebündelten Fachwissen und mit den Wohnungsschlüsseln.“ Siebold zeigte auf das Bild von einem Mann. An Cazador gewandt sagte der kränkelnde Arzt: „Dann machen Sie mal ein, zwei Entwürfe. Nur Skizzen, nichts Aufwendiges. Ist ja nur ein Gartenhäuschen und in einer Woche treffen wir uns wieder.“ Während er sprach, fingerte er ein überdimensionales Taschentuch aus seinem grauen Wintermantel und putzte sich trötend die Nase.



Leseprobe von Mirjam Wyser ihrem Buch "Der dunkle Baron"



Danke, dass ich heute zwei Bücher vorstellen darf.
Pressetext
„Der dunkle Baron“ von Mirjam Wyser
Eine Geschichte durch Raum und Zeit, die nicht nur spannend, sondern ebenso herzergreifend und spirituell ist, ist Mirjam Wyser mit ihrem neuesten Werk „Der dunkle Baron“ gelungen, das neu im Franzius Verlag erschienen ist.
Für mich ist dieses Buch eine Biografie über zwei leben.
Offenbarungen aus der Tiefe
Die Mysterien des Abgrundes offenbaren sich dort, wo in allem, was einst eine Seele zugrunde gerichtet, sie in Verzweiflung und Tod gestürzt hat, das nie Erwartete, das total Andere eintritt: der Aufstieg ins Licht. Da, wo der Spiegel zerbricht, wo der Schleier zerreißt, wo der neue Geist geboren wird und das andere Leben beginnen kann. Der Spiegel ist, dass man sich selbst begegnet.
Die Wahrheit ist nicht immer angenehm.
Zeitig an diesem regnerischen Frühlingsmorgen macht sich Sandra, eine Frau mittleren Alters mit einer magischen Ausstrahlung, auf den Weg in die Stadt. Der Regen wird heftiger und Sandra zieht den Regenschirm tiefer vor das Gesicht. Ein unwiderstehlicher Zwang zieht sie in Gedanken immer wieder zu einem Traum zurück. Der Traum hat angefangen, sie zu verfolgen.
Gedankenverloren übersieht sieht sie das rote Licht der Ampel. Quietschende Autoreifen und ein verärgerter Fahrer holen sie in die Wirklichkeit zurück. Auf dem Weg zur Bushaltestelle drängen die Menschen dicht aneinander vorbei. Im Bus erwischt sie einen Fensterplatz. Nach ein paar flüchtigen Blicken nach draußen lehnt sie sich in den Sitz zurück. Bald ist sie in Gedanken wieder ganz weit weg. Ihr fein geschnittenes Gesicht nimmt einen geistesabwesenden Blick an. In Gedanken macht sie wieder den Sprung zurück in ihren Traum.
Plötzlich, wie vom Blitz getroffen, steht sie auf und geht zielstrebig zum Ausgang. Die Bustür öffnet sich und Sandra steht im kalten Regen. Sie öffnet den Schirm; geht schneller, gerät schon fast ins Laufen. Sandras Ziel ist das kleine Buchantiquariat um die Ecke. Der alte Buchhändler hat gerade seinen Laden geöffnet und freut sich über seine erste Kundin. Sandra grüßt freundlich, ist heute aber sehr wortkarg. Erstaunt starrt sie der alte Mann an.
Zielgerichtet geht sie zu den Regalen, der mystischen Literatur. Was sie genau sucht, weiß sie nicht. Sie hat eine Vorliebe für das Irrationale. Es sind die unbeantworteten Fragen nach dem Sinn des Lebens. Sandra liebt es, in alten Büchern herum zu stöbern, und erhofft, Antworten zu finden. Die Vorliebe für esoterische Literatur, geheimes Wissen ist nicht unbegründet. In ihren Seelentiefen schlummert ein verschleiertes Trauma. Langsam beginnt sich der Schleier, der diese geheimnisvollen Zusammenhänge verdeckt, zu heben.
Gerade blättert sie in einem Buch über Grenzwissenschaften, da steht plötzlich ein alter Mann vor ihr. Sein Anblick wirkt irritierend. Der Mann sieht aus wie ein Knochengerüst, das mit etwas Haut überzogen ist. Trotzdem hat er ein gutmütiges, strahlendes Antlitz und magische Augen. Sandra schwankt zwischen Abwehr und Zutrauen. Das Zutrauen siegt. Unerwartet spricht er Sandra an.
„Lesen Sie nur solche Bücher. Geistiges Wissen ist das Einzige, das Ihnen nie jemand wegnehmen kann!“
Etwas verlegen lächelt Sandra zurück und denkt: „Der Mann sieht aus wie ein verirrtes Wesen, das aus einem todesähnlichen Schlaf erweckt wurde. Seine unergründlich tiefen Augen sind fast unheimlich!“
Als könnte er Sandras Gedanken lesen, spricht er Unerwartetes: „Danke für Ihr Lächeln!“
Irritiert blickt Sandra direkt in seine Augen! Sie ist wie entrückt! Für Sekunden steht sie bewegungslos da. Ein flutendes Licht durchpulst ihren Körper. Bevor sie etwas antworten kann, ist der rätselhafte Mann verschwunden. Als hätte er sich in Luft aufgelöst.
Verwundert denkt Sandra: „Was war das gerade für eine sonderbare Begegnung? Habe ich geträumt oder war der alte Mann Wirklichkeit? Habe ich die Welt der unwirklichen Wirklichkeit betreten?“
Sie läuft irritiert durch die Buchregale und hält Aus-schau nach ihm. Noch weiß sie nicht, dass ein Adept ewig lebt und er schon früher eine Rolle gespielt hat. Hier und jetzt ist und bleibt verschwunden. Sandra fragt den Buchhändler nach dem sonderbaren Mann. Der schaut sie mit flackerndem Blick ungläubig an und zuckt die Schultern.
Und mit erstaunter Stimme antwortet er: „Sie sind die einzige Kundin, die heute meinen Laden betreten hat!“
Sandra schüttelt fassungslos den Kopf, als müsste sie sich wachrütteln. Das Erlebnis hat sie aufgewühlt. Als Erinnerungsstück kauft sie das Buch, das sie bei dieser ungewöhnlichen Begegnung gerade in den Händen gehalten hat. Sandra verabschiedet sich und tritt ins Freie. Sie nimmt ein paar tiefe Atemzüge und schaut zum Himmel. Eine Nebelschwade verhält sich eigenartig. Obwohl mit einem Mal ein eisiger Wind um das Gebäude weht, hat er keinerlei Einfluss auf die graue Nebelschwade. Sie kriecht wie ein Spukgeist die Mauer entlang.
Noch vor kurzer Zeit ist Sandras Leben in geordneten Bahnen verlaufen. Doch seit einiger Zeit tauchen aus dem Unterbewusstsein imaginäre Bilder auf. Für Sandra besteht kein Zweifel, diesem inneren Ruf zu folgen. Der Verstand kennt die Wahrheit nicht. Er bewegt sich auf einer anderen Ebene als die Sprache des Herzens. Vergangenheit und Gegenwart reichen sich hier die Hand. Ihre Visionen und Träume werden zum wichtigen Schlüssel, die Tür ins Vergessene wieder zu öffnen. Sie hat die leise Stimme, die im Unterbewusstsein spricht, gehört. Dies geschieht dann, wenn das Mondlicht auf dem Hügel schläft und die Engel sich im goldenen Licht spiegeln. Noch ahnt sie nicht, dass ihr Leben in ein ganz neues Licht getaucht werden wird.
Die Frau im weißen Kleid
So beginnt eine Geschichte in einer anderen Zeit an einem anderen Ort. Die Wucht der Erinnerungen trifft sie unvorbereitet. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass entscheidende Momente im Leben von lauter und greller Dramatik sein müssen.
Irgendwo in einem schönen Park steht eine herrschaftliche Villa. Tatsächlich ist die Zeit in dieser Villa stehen geblieben. Das alte Gemäuer ist umhüllt von einem grauen Nebel. Die alten Bäume im Park neigen ächzend ihre Kronen im Wind und erzählen die Geschichte von Melissa, der einstigen Hausbesitzerin, die vor vielen, vielen Jahren hier gelebt hat.
Wilde Rosen ranken sich an den Mauern entlang. Niemand bewohnt das Haus mehr, es steht einsam und leer da. Nur um Mitternacht huscht ein scheuer Schatten über die Veranda. Kurze Zeit später wird auf der Terrasse die weiße, durchsichtige Gestalt einer Frau gesichtet. Das Haus schläft einen langen tiefen Schlaf.
Das war nicht immer so. Einmal war die Villa belebt von Leben, Lachen, Musik und Fröhlichkeit. Der Ruf aus einem verschwommenen Traumland hat Sandra erreicht und lautlos öffnen sich verschlossene Türen. Sie wanderte stille und einsame Wege, die sehr beschwerlich waren, bevor die Seele erwachen konnte.
Der Vollmond erleuchtet das herrschaftliche Anwesen, das in dem schönen Park mit seinen alten Bäumen steht. Bei genauer Betrachtung wird offensichtlich, dass die herrschaftliche Villa einen neuen Anstrich vertragen könnte. Der rötliche Putz der Fassade bröckelt etwas ab. Die einst schön gepflegte Kiesstraße ist mit Unkraut überwuchert. Das schmiedeeiserne Tor mit einer Kette: verschlossen. Daran hängt ein großes Vorhängeschloss. Den Betrachter überkommt etwas Traurigkeit bei diesem verwahrlosten Anblick. Wirklich kaum vorstellbar, dass die Villa noch bewohnt wird. Der Fokus richtet sich wieder auf die Veranda.
Das Schlagen des Kirchturms zerreißt die gespenstische Stille. Das weiße, feinstoffliche Kleid, schemenhaft wahrnehmbar, tanzt im sanften Nachtwind. Im Mondlicht erspäht man wieder die Umrisse dieser nebelhaften Frauengestalt. Einsam steht sie da und schaut in die Nacht hinaus. Auch in den folgenden Nächten immer das gleiche Bild. Unheimlich wirken die durchsichtigen Konturen der Frau im weißen Kleid. Ein menschlicher Schatten von fühlbarer Traurigkeit schaut in die unendliche Weite des Sternenhimmels. Das Gefühl, einer unbeschreiblicher Einsamkeit taucht als flüchtige Erinnerung bei Sandra auf. Nicht fassbar und trotzdem da.
Sandra hat das Zeichen zum inneren Aufbruch bekommen. Schon die ganze Zeit unerschütterlich im Glauben hat sie das Gefühl, dass eine innere Führung ihr eine Botschaft überbringen will. Das Spiegelbild des eigenen Wesens hat begonnen, das Licht nach außen zu reflektieren. Nun folgt sie dem inneren Ruf, eine Verbindung zur unsichtbaren Welt herzustellen.
In dieser Nacht wird Sandra in der Traumwelt durch einen dunklen Tunnel gezogen und es gelingt ihr, hinter den Spiegel zuschauen, der die physische und die geistige Welt trennt! Das erlaubt ihr allmählich, in eine frühere Inkarnation zurückzuschauen. Ihr Geist hat sich abgesetzt und fliegt frei und leicht durch die übersinnliche Welt. Anfänglich war sie ganz unsicher, wie sie die Erlebnisse einordnen soll. Sie will sich von Visionen kein falsches Bild machen. Tage voller Zweifel vergehen. Kann sie wirklich imaginär wahrnehmen? War es die Empfindsamkeit ihres Herzens, das zu ihr gesprochen hat? Die träumerischen Spekulationen, die sich hier von der herkömmlichen Weise absondern, eröffnen neue Dimensionen.
In der Traumwelt schaut sie jeden Abend durch ein verschlossenes Gittertor dieser fremden, herrschaftlichen Villa. Die schemenhafte Gestalt nimmt sie übersinnlich wahr. Eine Geschichte aus einem anderen Leben kommt ins Rollen. Nur der Himmel kennt die Wahrheit.
Irgendwo in einem schönen Park steht eine herrschaftliche Villa. Tatsächlich ist die Zeit in dieser Villa stehen geblieben. Das alte Gemäuer ist umhüllt von ei-nem grauen Nebel. Die alten Bäume im Park neigen ächzend ihre Kronen im Wind und erzählen die Geschichte von Melissa, der einstigen Hausbesitzerin, die vor vielen, vielen Jahren hier gelebt hat.
Traumoffenbarung
Je weiter die geistige Entwicklung von Sandra fortschreitet, desto größer sind die übersinnlichen Erlebnisse in der Geistwelt, der Astralwelt, der mystischen Welt möglich. Die Genialität des Übersinnlichen lebt in Bildern. Imaginationen sind Bilder, um die höheren Sphären einen Schritt weit zu begreifen. Gedanken werden zu Bildern. Wie Sonnenblumen, welche die Köpfe nach der Sonne, dem Spirituellen, drehen, um zu erkennen.
Der heutige Mensch will nicht glauben, er will wissen. Sandras inneres Auge öffnet sich mehr und mehr.



Leseprobe von Jacqueline Vellguth ihrem Buch "Der Duft von Büchern und Kaffee"



Und hier die zweite Leseprobe.
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Nach meinem Päckchen biete ich dir hier einen etwas längeren Einblick in Amys Buchladen. Viel Spaß mit ihrem Besucher
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Der Duft von Büchern und Kaffee ~ http://amzn.to/2pEJLLk
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.~*´ Klappentext `*~.
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Amys Traum: Ein eigener Buchladen in New York. Und das Beste? Er scheint sogar erreichbar. Zumindest, bis der attraktive Teilzeit-Rocker Ryan auftaucht und ihre Pläne gründlich durcheinanderbringt.
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Denn er ist der Enkel ihrer Chefin und die hat sich gerade einen ziemlich verrückten Wettbewerb für ihre Erbschaft ausgedacht.
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Amy bleibt nichts anderes übrig, als sich darauf einzulassen und ihr Bestes zu geben, um ihren Traum doch noch zu verwirklichen.
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Eine Liebeserklärung an einzigartige Bücher, den Duft von frisch gebrühtem Kaffee und die Macht der Veränderung.
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.~*´ Kapitel 1 `*~.
5Books
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Wie fast jeden Morgen in den vergangenen sechs Jahren schob Amy den Schlüssel in das Schloss der feuerroten Türe. Sie legte die Finger auf das kühle Metall der Klinke und öffnete den Laden.
Ein schwacher Luftzug trug ihr den Geruch von Büchern entgegen. Das staubige Rauchgrau von alten Seiten, die schon von vielen hundert Händen umgeblättert worden waren. Das frische Schneeweiß von gerade ausgepackten Neuerscheinungen. Das würzige Erdschwarz der Tinte von aus dem Druck gegangenen Exemplaren. All diese Aromen mischten sich zu dem heimelig, samtigen Duft eines gerade aufgeschlossenen Buchladens und wurden begleitet von dem sanften Bimmeln der kleinen Türglocke.
Wie jedes Mal durchlief sie ein leiser Schauer, der auf ihrer Kopfhaut begann, ihre Arme hinunterkitzelte und erst in ihren Zehenspitzen endete.
Otis Stummelschwanz wedelte in der Höhe ihrer Wade, er wollte schnell hinein. Sie hockte sich neben der kleinen Dogge hin und kraulte ihm den Nacken.
Auch nach all der Zeit konnte sie noch nicht fassen, dass sie tatsächlich so viel Glück hatte, hier arbeiten zu dürfen. »Guten Morgen!«, rief sie, aber es kam keine Antwort.
Vielleicht war Beatrice zum Markt gegangen oder noch auf ihrer morgendlichen Runde. Trotz ihrer 72 Jahre war sie gut zu Fuß und täglich in Greenwich unterwegs.
Amy löste Otis’ Leine. Mit einem fröhlichen Wuff sprang die schwarze, französische Dogge in den Raum, an dem Tresen mit der uralten Registrierkasse vorbei und zu ihrem Wassernapf direkt neben dem alten Klavier an der Seitenwand. Nach der morgendlichen Bahnfahrt vom anderen Flussufer und dem langen Spaziergang am Hudson entlang hatte ihr bester Freund immer riesigen Durst.
Amy drehte lächelnd das Schild an der Eingangstür auf geöffnet und wartete, bis Otis es sich in seinem rot gepolsterten Körbchen gemütlich gemacht hatte. Dann hockte sie sich neben ihn, um ihn ausgiebig hinter den Ohren zu kraulen. Er drückte seinen Kopf in die Liebkosung hinein. »Sieht so aus, als wären wir heute allein. Wenn wir Glück haben, bringt Beatrice dir ein Würstchen mit, was meinst du?«
Sie hatte ihrer Chefin viel zu verdanken. Und zwar nicht nur, dass sie Amy damals überhaupt einen Job gegeben hatte. Welcher rational denkende Mensch hätte sie schon ohne vernünftige Ausbildung eingestellt? Sondern vor allem, weil Otis das Ladenmaskottchen spielen durfte. Der arme Kerl würde vor Kummer ein¬gehen, wenn er den ganzen Tag alleine zu Hause sitzen müsste.
Ja, in vielerlei Hinsicht war Beatrice eher Amys gutmeinende Tante als ihre Chefin und mit ein bisschen Glück würde Amy sogar irgendwann den Laden übernehmen dürfen. Das war ihr Traum: Ein eigener Buchladen.
Aber bis dahin begnügte sie sich gerne mit ihrem momentanen Job, denn Beatrice’ Ruhestand lag hoffentlich noch in sehr, sehr weiter Ferne.
Für den Moment war Amy einfach nur glücklich wie es war und hoffte, dass sich einfach niemals etwas ändern würde.
Sie ließ einen prüfenden Blick durch den Laden schweifen. Das Klavier müsste dringend abgestaubt werden, der Leseclub für den Nachmittag wollte vorbereitet sein und hinter dem Tresen wartete noch eine Bücherkiste von gestern darauf, dass Amy sie auspackte. Im Lagerraum war dafür wohl kein Platz mehr, aber darum würde sie sich gleich Gedanken machen.
Jetzt brauchte sie erst einmal einen Kaffee, um sich für den Tag zu stärken und natürlich Frühstück für Otis. Sie zog die Dose mit dem Futter aus dem Rucksack, füllte den Napf und nahm seine Wasserschüssel mit ins Badezimmer.
Dafür ging sie zwischen den hohen Regalen hindurch, auf denen sich die Buchrücken in bunten Streifenmustern aneinanderreihten, und trat durch die unscheinbare Tür in der Rückwand in den kurzen, dunklen Flur. Gleich rechts war das Bad, gerade groß genug für eine Toilette mit einem Waschbecken, das so klein war, dass sie eine Tasse benutzen musste, um den Wasserkocher zu befüllen.
Sie stellte ihren Rucksack hinter den Tresen und brachte Otis seinen Napf, während das Wasser kochte.
Ein Instant-Kaffeetütchen, ein Tütchen Stevia und zwei Tütchen Kaffeeweißer später war ihr Kaffee fertig. Keine Ambrosia, aber wenigstens machte er munter. Während Amy an ihrer roten Lieblingstasse nippte und zurück zum Tresen ging, checkte sie ihr Handy. Beatrice hatte eine Nachricht hinterlassen.
Ich bin bei meiner Schwester in Pennsylvania. Sie ist gestürzt. Melde mich, sobald ich Näheres weiß.
Amy blieb stehen und sah Otis überrascht an. »Seit wann hat sie denn eine Schwester?« Die kleine Dogge legte den Kopf zur Seite und drehte ihre Ohren aufmerksam in ihre Richtung. Da klingelte die Glocke über der Tür.
Ein junger Mann trat in den Laden und er entsprach so gar nicht dem Klientel, das für gewöhnlich hier vorbeikam. Er trug eine Jeans mit ausgefransten Löchern, eine schwarze Lederjacke über seinem weißen T-Shirt, war groß und schlank. Das braune Haar fiel kurz und durcheinander in seine Stirn, als wäre er gerade erst aus dem Bett gestiegen und er sah sie mit einem lässigen Grinsen aus freundlichen, dunklen Augen an.
Ein warmes Gefühl breitete sich in ihrem Innern aus.
Hinreißend. Absolut sexy und selbstbewusst. Genau der Typ Mann, auf den Amy früher sofort hereingefallen wäre. Dabei war die Wahrheit vollkommen offensichtlich. Schon die Löcher in seiner Hose sprachen Bände darüber, dass er nicht gerade sorgsam mit seinen Sachen umging.
Nein, der wollte nichts Dauerhaftes und hatte ganz sicher keinen festen Job.
Sollte sie doch alle Warnsignale über Bord werfen und sich auf ihn einlassen, würde sie spätestens in drei Wochen ihren Beweis bekommen. Dann, wenn sie völlig am Boden zerstört und ohne einen Penny Geld in der Tasche irgendwo in der Gosse lag – im schlechtesten Fall mit einem blauen Auge oder einem gebrochenen Arm.
Aber nicht mit ihr. Nein. Ihr neues Ich hatte sich endlich eingelebt. Die Wohnung war eingerichtet, sie liebte ihren Job, in dem sogar Otis einen Platz gefunden hatte.
Sie würde das nicht aufs Spiel setzen. Auch dann nicht, wenn er mitten in Greenwich in ihren Laden stolperte mit so einem sexy Lächeln auf den weichen Lippen, dass es ihr altes Ich sofort in die Knie gezwungen hätte.
Amy bemerkte gerade noch, dass sie starrte und riss ihren Blick los.
Stattdessen setzte sie den Kaffee ab, straffte ihre Schultern und begrüßte ihren ersten Kunden mit einem Lächeln. »Guten Morgen, Willkommen in den 5 Books, kann ich Ihnen helfen?«
»Ich suche Misses Benson.« Seine Stimme war weich und tiefer, als sie erwartet hätte. Wärme füllte ihren Magen.
»Die ist momentan leider unabkömmlich. Vielleicht kann ich Ihnen helfen?«
»Ich weiß nicht.« Er schob die Hände in die Hosentaschen und sah sich ratlos um.
Ein unschlüssiger Kunde, das war immer eine nette Herausforderung. Darauf konzentrierte Amy sich, nicht auf die Lederjacke, nicht auf die weichen, braunen Augen. »Welches Buch haben Sie denn zuletzt gekauft?«, fragte sie und war entschlossen, etwas für ihn zu finden, das ihm von Herzen gefiel. Ein glücklicher Käufer, das wäre ein guter Start in den Tag.
Er sah sie einen Augenblick verwirrt an. »Einen Reiseführer von New York«, sagte er schließlich.
»Sie sind Tourist?«, fragte Amy überrascht.
Er nickte. »Das kann man so sagen.« Sein Lächeln war schief und irgendwie ansteckend.
Sie fragte sich, warum seine Jacke keine Nieten hatte und versuchte, sich wieder zu konzentrieren. »Dann darf ich Ihnen vielleicht dieses Regal hier zeigen.« Sie führte ihn Richtung Otis, der hob den Kopf und hechelte interessiert in ihre Richtung. »Hier finden Sie alles über die Stadt. Themenbasierte Reiseführer, lokale Autoren und Belletristik, die in Greenwich spielt. Alles, was das Herz begehrt.« Sie lächelte und sah ihn erwartungsvoll an.
Er blieb neben ihr stehen, fuhr sich mit den Fingern durch das wuschelige Haar und sah unschlüssig auf das Regal. »Wenn ich ehrlich bin, hab ich den Reiseführer nicht einmal aufgeschlagen.«
»Also vielleicht doch lieber etwas anderes? Ein Krimi oder eher Fantasy?« Irgendwelche Vorlieben musste er doch haben.
Er warf einen abwesenden Blick auf das Klavier. »Ich denke, ich warte lieber auf Misses Benson … was ist das?«, fragte er.
»Ein Klavier«, sagte Amy und kam sich im selben Moment ziemlich dämlich vor, denn das war ja wohl offensichtlich. Sie strich ihren Rock glatt.
Er lachte und es klang ein wenig verlegen, aber auch herzlich. »Das sehe ich. Ich meine, wieso steht es in einem Buchladen?«
Er sah sie mit ehrlichem Interesse an und das machte die Situation irgendwie einfacher. »Das steht schon hier, so lange ich denken kann. Ich staube es nur gelegentlich ab. Also würde ich sagen, es ist Deko.« Sie lächelte, während er mit seinen Fingern über einen uralten Holzschnörkel des Instrumentes strich. Es sah fast zärtlich aus, so als würde er einen alten Bekannten wiedertreffen.
Die Wärme in ihr verwandelte sich in ein merk¬würdiges Ziehen. Das lag sicher nur daran, dass sie ihren Kaffee noch nicht zu Ende getrunken hatte.
Bestimmt.
»Darf ich es öffnen?«, fragte er, wartete aber nicht auf eine Antwort, sondern hob den Deckel. Mit einem sicheren Griff fand er die alten, vergilbten Tasten. Der Akkord, der dabei herauskam, hörte sich selbst in Amys Ohren schrecklich an. Otis bellte sogar einmal kurz und ließ seinen Kopf erst wieder in sein Kissen sinken, als der junge Mann das Gesicht verzog und den Deckel schloss. »Es wird wohl nicht sehr oft gespielt«, stellte er fest.
»Noch gar nicht in der Zeit, die ich hier arbeite.«
»Aber es gehört Misses Benson?«, fragte er.
»Sicher.« Wem sonst? Amy bekam das Gefühl, dass hier irgendetwas nicht stimmte.
Er nickte nachdenklich.
»Sie wollen gar kein Buch kaufen, oder?«, fragte sie. Irgendwie fand sie das schade, sie hätte ihm gerne weitergeholfen.
Es stellte sich nur die Frage, weshalb er dann sonst hier war.
»Eigentlich habe ich einen Termin. Sie wissen nicht zufällig, wann Misses Benson wiederkommt?«
Einen Termin? Das war ja etwas ganz Neues. »Nein, das tut mir leid. Es gab einen familiären Notfall, ihre Schwester ist gestürzt. Sie konnte noch nicht sagen, wann sie wieder zurück ist.«
»Schwester?«, fragte er überrascht.
»Kann ich ihr vielleicht etwas ausrichten?«
»Nein … doch …« Er atmete tief durch. »Sie können ihr sagen, dass ihr Enkel hier war.«
»Enkel?« Jetzt war es an Amy, erstaunt auszusehen.
Er nickte. »Beatrice Benson ist meine Großmutter. Sie hatte mich herbestellt und gesagt, es ginge um ihren Ruhestand – Sie wissen nichts davon?«
Amy blinzelte ihn verdutzt an und schüttelte den Kopf.
Ihr Enkel? Und den bestellte sie wegen ihres Ruhestands her? Vielleicht als Erben.
Und ganz einfach so lösten sich all ihre Zukunftspläne, die sie gerade noch gehabt hatte, in Luft auf.
Es fühlte sich an, als wäre der Boden unter ihren Füßen aufgerissen, hätte einen metertiefen Spalt gebildet und sie einfach so verschluckt.
»Es … es tut mir leid … aber sie hat mir nichts von einer Verabredung gesagt … oder … warten Sie …« Amy warf einen Blick auf ihr Handy.
Es fiel ihr schwer, sich zu konzentrieren, während sie immer noch versuchte, seine Worte zu verdauen. Da entdeckte sie eine E-Mail, die sie vorhin übersehen haben musste.
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Eine Übersicht aller meiner Bücher findest du auf meiner Seite:
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Ganz liebe Grüße und viel Spaß beim Lesen
Jacky



Leseprobe von Jacqueline Vellguth ihrem Buch "Das Päckchen"



Hallo ihr Lieben
Auch von mir gibt es heute zwei Leseproben.
Als Erstes habe ich "Das Päckchen" für euch viel Spaß mit Emma
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Das Päckchen ~ http://amzn.to/2pElxAJ
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.~*´ Klappentext `*~.
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Emma liebt Bücher über alles. Gerade, als ihr ganzes Leben auseinanderzubrechen droht, trifft überraschend ein geheimnisvolles Päckchen ein. Es kommt ganz ohne Absender, dafür aber mit einem Brief und einem Plan, um ihr Leben vielleicht wieder auf die Reihe zu bekommen.
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Wer verbirgt sich hinter dem geheimnisvollen Absender? Was steckt in dem Päckchen und kann man jemanden richtig kennen, den man nie wirklich getroffen hat?
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Ein sommerlich-moderner Liebesroman über digitale Freundschaften, alte Narben und echtes Vertrauen
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.~*´ Kapitel 1 `*~.
Wasser
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Emma trat schneller in die Pedale. Goldene Sonnenstrahlen wärmten ihr braunes Haar, der würzige Fahrtwind strich ihr durchs Gesicht, zupfte an ihrer blaugemusterten Bluse und duftete nach Sommer und frischen Blättern.
Wassertropfen sprühten glitzernd aus trocknenden Pfützen gegen die verschnörkelten Fassaden der Bonner Innenstadt. Aber Emma konnte an nichts anderes denken als an die Bücher, die sie gleich ins Sortiment aufnehmen durfte.
Andere Leute würden heute wahrscheinlich lieber die Arbeit hinschmeißen und den ganzen Tag im Freien verbringen. Aber dafür war die Mittagspause da und der Feierabend. Emma wollte nach zwei Wochen Urlaub nichts lieber als zurück zu ihren Geschichten. Endlose Reihen aus unbekannten Welten und fremden Universen. Dazwischen eine Schar von Kindern auf der Suche nach ihrem nächsten großen Abenteuer.
Doch sofort, als sie zur Kirche abbog und an der mit Bäumen umrandeten Wiese vorbeikam, schlich sich ein ungutes Gefühl in ihre Magengrube, das sie nicht genau bezeichnen konnte. Irgendetwas war falsch.
Sie hielt vor dem würfelförmigen Gebäude der Kinderbücherei und stieg ab.
Es wirkte so … dunkel.
Gut, sie hatte Frühschicht, da war das normal … trotzdem, ihr Bauch sagte, dass etwas nicht stimmte.
Sie öffnete ihren Rucksack mit dem niedlichen Motiv und dem Spruch Einhörner machen keine Scherze. Dann kramte sie in den unendlichen Weiten nach ihrem Schlüssel.
Natürlich hatte der sich wieder irgendwo versteckt. Genervt setzte sie die Tasche auf der breiten, roten Backsteinstufe ab und wollte gerade von Neuem auf die Suche gehen, da entdeckte sie das große, gelbe Schild an der Türe:
Betreten verboten.
Ihr Herz setzte einen Schlag aus.
Was hatte das zu bedeuten?
Sie legte die Hand an das spiegelnde Glas der Türe, blickte hindurch und die gesamte Welt schien auf die Größe eines Sandkorns zusammenzuschrumpfen.
Auf dem Boden stand Wasser. Eine Deckenplatte war heruntergekommen und verteilte ihr poröses, weißes Innenleben auf dem Empfangstisch. Zwei der Regale waren umgekippt und ihr Inhalt verwandelte die graubraune Suppe auf dem Fußboden gerade in Pappmaschee.
Blanker, teerschwarzer Horror breitete sich in ihr aus. Lauter klatschnasse Bücher, in sich zusammengesunken, verklebt, verdorben, verloren.
Emma sog scharf die Luft ein und konnte es einfach nicht fassen. Das durfte nicht wahr sein.
Vielleicht hätte sie die Anrufe von ihrer Kollegin doch annehmen sollen.
Jetzt stand sie da und hätte sich am liebsten in Luft aufgelöst. So ein riesiges Elend.
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Ganz liebe Grüße und viel Spaß beim Lesen
Jacky



Leseprobe von Patrick Schnalzer zu seinem Buch "Die Unwahrscheinlichkeit des Thomas Morgan"



Und hier noch der zweite Roman, den ich präsentieren darf: "Die Unwahrscheinlichkeit des Thomas Morgan"
Wenn ich ehrlich bin, handelt es sich hierbei fast um den heimlichen Liebling meiner bisherigen Bücher.

Klappentext:
Das Leben von Thomas Morgan war von Anfang an sehr unwahrscheinlich.
Gezeugt und geboren wird er im Tower of London vor den britischen Kronjuwelen. Doch das ist nur der Beginn eines Lebens voller kurioser Ereignisse und Begegnungen, denn er befindet sich von Kindheit an im Konflikt zwischen seiner beeindruckenden Intelligenz und seiner ebenso bemerkenswerten Tollpatschigkeit. Eine brisante Mischung, die ihn in Folge auch als Erwachsener in allerlei missliche Lagen bringt.
Eine besondere Geschichte mit viel Humor, Spannung und der ganz eigenen Sicht auf die Welt von Thomas Morgan.

Leseprobe:
Kapitel 1
Zeugung, Geburt und erste Worte
Mein Leben war von Anfang an sehr unwahrscheinlich.
Das soll nichts anderes bedeuten, als dass die Umstände meiner Zeugung, meiner Geburt und aller Dinge, die darauf folgten, im Grunde gar nicht hätten passieren dürfen. Die Unwahrscheinlichkeit begann bereits damit, dass sich jenes Spermium, aus dem ich entstand, gegenüber etwa einhunderttausend Mitstreiter durchsetzte. Wie dieser Wettstreit genau aussah, vermag ich natürlich nicht zu sagen, aus diesem Grund werde ich auch keine detaillierte Beschreibung des Moments geben, in dem besagtes Spermium meines Vaters in die Eizelle meiner Mutter eindrang. Es gibt wohl niemanden, der sich an die Sekunde der Befruchtung erinnern kann, das wäre dann doch sehr weit hergeholt.
Meine ersten Erinnerungen stammen daher auch erst aus der Zeit, die einige Wochen später anzusetzen ist, als ich damit begann, meine zwar warme, aber dennoch beengende Umgebung wahrzunehmen.
Die Zeit als Embryo war nach anfänglicher Aufregung von monotonem Alltag und somit von Langeweile geprägt. Mir wurde schnell klar, dass ich unter meinen damaligen Umständen als unfertiger Mensch die wichtigen Fragen des Lebens nicht beantworten konnte. Natürlich interessierte es mich brennend, woher ich kam, wer ich war und welchen Sinn mein Dasein hatte, aber ich übte mich in Geduld und nutzte die Zeit, um zu einem stattlichen Fötus heranzuwachsen.
Als akustische Unterhaltung diente mir einerseits der allgegenwärtige Herzschlag meiner Mutter, andererseits auch ihre Stimme, die ich jedoch nur als dumpfe Abfolge von Lauten wahrnahm. Visuell waren die Einschränkungen noch größer, denn es dauerte lange, bis ich meine Augen überhaupt als Sinnesorgan entdeckte, und selbst dann kam ich nicht über die banale Unterscheidung von hell und dunkel hinaus. Unter diesen Umständen lernte ich schon früh, was ich auch später im Verlauf meines Lebens noch öfter, wenn auch nicht mehr auf diese extreme Weise erkennen musste: Selbst wenn mein Geist dem eines gewöhnlichen Menschen weit überlegen war, so musste ich doch immer auch mit den körperlichen Einschränkungen zurechtkommen, die der Spezies Homo Sapiens eigen ist.
Sobald meine Arme und Beine entsprechend herangewachsen waren, benutzte ich diese Gliedmaßen, um meinem Frust über besagte Restriktionen zumindest ein wenig Ausdruck zu verleihen. Dass meine Mutter über diese akrobatischen Einlagen in ihrem Uterus nicht besonders erfreut war, kann ich im Nachhinein gut nachvollziehen. In meiner Situation war es mir jedoch herzlich egal, was meine Tätigkeit für die Frau um mich herum bedeutete, immerhin hatte ich sie zu jenem Zeitpunkt noch nicht einmal von Angesicht zu Angesicht kennengelernt. Und so ließ ich meinem Unmut über Wochen hinweg freien Lauf.
Insofern war es mit Sicherheit für uns beide eine große Erleichterung, als der unvermeidliche Tag meiner Geburt kam. Da ich mich in den vergangenen Monaten mit meiner Umgebung vertraut gemacht hatte, wusste ich wahrscheinlich sogar noch vor meiner Mutter zweifelsfrei, dass an diesem vierundzwanzigsten Juni neunzehnhundertfünfzig – das Datum erfuhr ich erst später – etwas anders war. Mir kam es so vor, als würde ich von einer unbekannten Macht in eine Richtung gezogen werden, während ich von der anderen Seite von meiner bisherigen Position weggedrückt wurde. Ein ungutes Gefühl überkam mich, nicht zuletzt aus dem Grund, da ich nicht wusste, wohin die Reise ging. Mir war klar, dass nichts anderes als eine räumliche Veränderung bevorstehen konnte, und ich war mir sogar ziemlich sicher, dass es sich um einen permanenten Umzug handelte. So sehr mich meine bisherige Beengtheit auch geärgert hatte, so wiegte ich mich hier drinnen dennoch in Sicherheit. Ob das auch auf der anderen Seite der Fall sein würde, das war die große Frage.
Man kann mir somit bestimmt glauben, dass ich dem Geburtsvorgang in seiner Gesamtheit etwas kritisch gegenüberstand, doch einmal mehr musste ich in meinem jungen Leben zur Kenntnis nehmen, dass ich auf einige Dinge keinen Einfluss hatte. Jeglicher Protest verpuffte durch meine Unfähigkeit, diesen in irgendeiner Form kundzutun, und so trat ich meine erste Reise an, die mich durch den Geburtskanal meiner Mutter führte.
Selbst wenn ich großen Wert auf Details lege, so werde ich den exakten Vorgang, wie ich aus der Vagina meiner Mutter gepresst wurde, nicht näher beschreiben. Zum einen sollte entsprechendes Prozedere den meisten Menschen aufgrund eigener Erfahrung geläufig sein, zum anderen scheint es mir bedeutend wichtiger, auf die äußeren Umstände meiner Geburt hinzuweisen. Um diese näher zu verstehen, ist es allerdings notwendig, noch einmal einen Schritt zurückzugehen, genau genommen zu jenem Tag, an dem ich etwa neun Monate zuvor gezeugt worden war.
Wie bereits erläutert, kann ich mich persönlich nicht an den unmittelbaren Augenblick meiner Entstehung erinnern, deshalb muss ich hierbei auf Informationen zurückgreifen, die ich nicht zu einhundert Prozent bestätigen kann. Allerdings haben mir meine Mutter und mein Vater getrennt voneinander eine nahezu idente Version dieser Begebenheit geschildert, sodass ich davon ausgehen kann, die Fakten zu kennen.
Alles begann damit, dass meine Mutter, eine gebürtige Liverpoolerin, zu Besuch bei Bekannten in London war. Als lebenshungrige, junge Frau von fünfundzwanzig Jahren ließ sie es sich bei dieser Gelegenheit nicht nehmen, die britische Hauptstadt auf eigene Faust zu erkunden. Die Spuren des Krieges waren zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht gänzlich verschwunden, dennoch erstrahlte London bereits wieder im Glanz alter Tage, zumindest in den Augen einer Frau, die außer den Liverpooler Arbeitervierteln noch kaum etwas von der Welt zu Gesicht bekommen hatte.
Große Faszination übte vor allem der Tower auf sie aus, was jedoch nicht direkt mit der imposanten Festungsanlage zu tun hatte, die im Laufe der Jahrhunderte mehr als einmal Schauplatz bedeutender, geschichtlicher Ereignisse gewesen war. Nicht etwa die Tatsache, dass Heinrich VIII innerhalb dieser Mauern in Ungnade gefallene Ehefrauen enthaupten ließ oder andere historische Begebenheiten waren der Grund dafür, warum meine Mutter an drei aufeinanderfolgenden Tagen den Tower besuchte. Ihre wahren Beweggründe waren ganz anderer und offen gesagt banalerer Natur: Sie hatte sich in einen der Yeoman Warders verguckt.
Die korrekte Bezeichnung der Ordnungstruppe lautet im Übrigen Yeoman Warders of Her Majesty’s Royal Palace and Fortress the Tower of London, doch weder dem ansässigen Volk und schon gar nicht den zahlreichen Touristen ist diese elendslange Aneinanderreihung von Wörtern ein Begriff. Gemeinhin sind die Herren in ihren viktorianischen Uniformen als Beefeaters bekannt, was zugegebenermaßen nicht besonders schmeichelhaft klingt, aber nun einmal der Realität entspricht. Ursprünglich als eine Leibwache für englische Könige gegründet, haben diese Herren im Laufe der Jahrhunderte gänzlich andere Aufgaben übernommen, sodass sie nunmehr in erster Linie die Funktion von Touristenführern in einer etwas lächerlich anmutenden Garderobe einnehmen.
Einer dieser Beefeaters musste trotz dieser Kleidung – oder vielleicht sogar gerade wegen dieser – die Aufmerksamkeit meiner Mutter auf sich gezogen haben, denn nach anfänglichem Austausch von Blicken kam es zunächst zu unverfänglichen Unterhaltungen, die wohl mit der Zeit doch an Intensität zugenommen haben mussten. Nicht anders ist es zu erklären, dass meine Mutter eben – wie gesagt – an drei Tagen hintereinander den Tower aufgesucht hatte, um mit diesem Beefeater zu plaudern. Wobei hierbei spezifiziert werden muss, dass das dritte Mal eher während der Nachtstunden passierte und von allzu viel Plauderei konnte auch keine Rede sein, da sich die beiden bei diesem Zusammensein vielmehr auf den Austausch körperlicher Flüssigkeiten konzentrierten.
Es ist mir nach wie vor ein Rätsel, wie mein Vater – der nun einmal nicht zu den hellsten Köpfen des Vereinigten Königreichs zählte – es schaffte, meine Mutter zu so später Stunde in den Tower zu schleusen, um ihr eine ganz private Führung zu den Kronjuwelen zu ermöglichen. Hier sieht man wieder einmal, dass der männliche Sexualtrieb stärker ist als jede andere Macht auf dieser Erde, und er selbst einfach gestrickte Männer Dinge erreichen lässt, die sie unter anderen Umständen niemals bewältigen könnten. Die Anstrengungen meines Vaters wurden zu seiner größten Freude schließlich auch belohnt und kurz nachdem er meiner Mutter die englischen Kronjuwelen präsentiert hatte, packte er seine eigenen Familienjuwelen aus.
An diesem Punkt unterscheiden sich die Berichterstattungen meiner Eltern ein einziges Mal, denn während mein Vater den folgenden Koitus als zeitintensives Liebesspiel beschrieb, benutzte meine Mutter die Worte: »Nach einem kurzen Rein und Raus war die Sache erledigt.« Die unterschiedliche Wahrnehmung des sexuellen Interkurses schätze ich jedoch als nicht unüblichen Streitpunkt zwischen Mann und Frau ein, weshalb dieser Abweichung keine nähere Beachtung zu schenken ist. Tatsache ist hingegen, dass ich in dieser Nacht gezeugt wurde, und zwar vollkommen unabhängig von der Dauer des Beischlafs. Von den Konsequenzen dieses Intermezzos ahnten meine Eltern zu diesem Zeitpunkt freilich noch nichts.
Ein erster Verdacht meiner Mutter ließ jedoch nicht lange auf sich warten, denn als sie sich wieder in Liverpool befand und ihre Zeit des Monats gekommen war, brauchte sie nur eins und eins zusammenzuzählen. Allerdings hoffte sie inständig, dass diese Rechnung nicht aufgehen würde.
Tatsächlich hatte sie bald mehrere Dutzend Gründe bei der Hand, die plausibel erklärten, warum die Blutung dieses Mal nicht einsetzte, und so versicherte sie sich auch die kommenden Wochen selbst, dass alles in bester Ordnung war. Vier Monate und eine von weitem erkennbare Wölbung des Bauches später musste allerdings auch sie endlich anerkennen, dass sie schwanger war. Als sie es ihren Eltern beichtete, warfen sich diese gegenseitig vielsagende Blicke zu, woraufhin mein Großvater sagte: »Das ist uns auch schon aufgefallen.«
»Ach, wirklich?«, fragte meine Mutter vorsichtig.
»Natürlich«, meinte Großvater, »immerhin bist du in den letzten Monaten ganz schön in die Breite gegangen.«
»Joseph«, mahnte Großmutter kaum hörbar, doch ihr Mann hatte über die Jahre ein sensibles Ohr für die Stimme seiner Gemahlin bekommen.
»Was?«, wollte er wissen, doch im selben Moment erkannte er, dass seine Frau wohl etwas unglücklich über die Worte war, die er seiner Tochter gegenüber gewählt hatte. »Ich meine ja nur, dass sie ordentlich zugelegt hat. Es ist doch nichts Schlimmes, wenn man trächtig ist.«
Ob er mit der letzten Bemerkung nun wirklich alles besser gemacht hatte, das sei dahingestellt, auf jeden Fall war das Thema damit erledigt und wurde nicht weiter diskutiert.
Meine Großeltern mütterlicherseits waren ihr Leben lang nicht dafür bekannt gewesen, dass sie die Welt um sich herum zerredet hätten, was meiner Ansicht nach eine sehr löbliche Eigenschaft ist, welche sich auch viele andere Menschen zu Herzen nehmen sollten. Aus diesem Grund wurde auch um die Schwangerschaft meiner Mutter kein großes Theater gemacht, denn auch wenn eine unverheiratete, schwangere Frau nicht das gesellschaftliche Idealbild darstellte, so waren derartige Umstände dennoch alles andere als unüblich. Während meine Großeltern diesbezüglich also keinen Druck auf meine Mutter ausübten, so wollte diese sich mit der Situation dennoch nicht einfach abfinden und plante, ein weiteres Mal nach London zu reisen, um jenen Beefeater aufzusuchen, der eine Teilschuld an dieser Misere hatte. Allein der Mut zu dieser Unternehmung fehlte ihr.
Erst als hochschwangere Frau konnte sie sich dazu überwinden, ein Ticket zu kaufen und tatsächlich mit dem Zug in Richtung Süden zu fahren. Vom Bahnhof aus führte sie ihr Weg direkt zum Tower, wobei sie lange zögerte, das Gelände auch wirklich zu betreten. Kurz vor Sperrstunde gab sie sich schlussendlich den entscheidenden Ruck, wobei sie nun gegen den Strom an Besuchern ankämpfen musste, der ihr entgegenkam. Umso leichter fand sie später in der anbrechenden Dämmerung auf dem jetzt nahezu leeren Gelände den Beefeater, den sie suchte. Es bedarf keiner besonders großen Vorstellungskraft, um sich das Gesicht meines Vaters auszumalen, der nun seinerseits jene Frau mit kugelrundem Bauch vor sich sah, mit der er neun Monate zuvor eine leidenschaftliche Nacht verbracht hatte.
Und da spielte es überhaupt keine Rolle, wie lang oder kurz dieser sexuelle Akt wirklich gewesen sein mochte. Das Resultat war das einzig Entscheidende.
»Bloody Hell!«, war das Erste, das ihm bei diesem Anblick entfuhr.
Sofort nahm er meine Mutter bei der Hand und führte sie neuerlich zu den Kronjuwelen, wobei er die letzten Besucher vertrieb und hinter diesen die Tür schloss. Das folgende Gespräch meiner Eltern hatte nur bedingten Streitcharakter, denn es wurde zwar intensiv geführt, dennoch gab es keine Uneinigkeit zwischen den beiden. Tatsächlich war es so, dass sie mit der Situation ganz einfach überfordert waren und nicht wussten, wie sie damit umgehen sollten. Es mag dann wohl auch an der allgemeinen Aufregung gelegen haben, dass die Fruchtblase meiner Mutter platzte, und zwar direkt an jener Stelle, an der ich zufälligerweise auch gezeugt worden war. An diesem Punkt komme ich somit wieder auf meine Geburt zu sprechen, die mich persönlich wohl am meisten von allen Beteiligten mitgenommen hat.
Da ich nach anfänglicher Verwirrung mitbekommen hatte, dass für mich kein Zurückbleiben in der gewohnten Umgebung zur Debatte stand, hatte ich mich meinem Schicksal ergeben und tat jetzt sogar mein Bestes, um den unausweichlichen Vorgang voranzutreiben. Hätte ich gewusst, dass meine Eltern dadurch in arge Bedrängnis kamen, hätte ich meine Geburt wahrscheinlich meinen Möglichkeiten entsprechend hinausgezögert, so aber blieb ihnen keine Zeit mehr, ein Krankenhaus aufzusuchen. Stattdessen musste meine Mutter sich auf ihre evolutionären Grundinstinkte berufen und mein Vater rief sich seine Jugendzeit in Erinnerung, die er auf dem Bauernhof seiner Großeltern verbracht hatte. Dort war er das eine oder andere Mal dabei gewesen, wenn Schweine oder Kühe ihre Jungen zur Welt gebracht hatten, und er redete sich ein, dass es mit einem Menschenkind nicht viel anders vonstatten gehen konnte.
Man muss den beiden zugutehalten, dass sie im Endeffekt ihr Bestes getan haben, und auch wenn ich persönlich keine Vergleichsmöglichkeiten habe, so kann ich doch sagen, dass meine Geburt schlussendlich ganz ordentlich verlief. Natürlich preschte mir eine ungewohnte Kälte entgegen, als ich aus dem mollig-warmen Körper meiner Mutter gezogen wurde, und das Aussehen meines Vaters erschreckte mich im ersten Moment so sehr, dass ich wie wild zu schreien begann, aber im Nachhinein betrachtet, handelte es sich dabei in diesem Zusammenhang um nicht unübliche Vorgänge. Zudem kann ich mit Stolz behaupten, dass ich zu einem durchaus überschaubaren Kreis jener Erdenbürger gehöre, die im Tower of London das Licht der Welt erblickten.
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Liebe Grüße und euch allen noch einen schönen Abend,
Patrick

Leseprobe von Patrick Schnalzer zu seinem Buch "The Running Queen"



Ein Hallo an alle Gruppenmitglieder!
Die liebe Michaela Kronawitter hat mir heute die Möglichkeit gegeben, zwei meiner Bücher in Form von Leseproben vorzustellen. Herzlichen Dank dafür! Zunächst darf ich euch einen kleinen Einblick in "The Running Queen" geben.

Klappentext:
BEI DER KÖNIGIN SIND EIN PAAR SCHRAUBEN LOCKER, ABER DAS MUSS EIN GEHEIMNIS BLEIBEN.
Die Queen hat seit einiger Zeit ein kleines Problem. Hin und wieder kommt es vor, dass sie aus heiterem Himmel ihr Gedächtnis verliert und einfach laufen muss. Ihrem Leibwächter Simon macht sie dadurch das Leben natürlich schwer. Ganz schlimm kommt es jedoch, als sie bei einem Staatsbesuch in Wien endgültig ausbüxt. Während das Königshaus in heller Aufregung ist, macht die Queen einige sehr interessante Erfahrungen.

Leseprobe:
KAPITEL 1
London.
Hinter dem Buckingham Palace.
»Lauf! Lauf! Lauf!«
Als Simon die Rufe seines Vorgesetzten hörte, war er schon längst auf den Beinen. Vor einem Jahr wäre ihm die ganze Situation noch ziemlich absurd vorgekommen, mittlerweile erschien ihm diese Verfolgung allerdings schon fast normal.
»Lauf schneller!!«
»Ach, halt doch deine schottische Klappe«, erwiderte Simon kaum hörbar.
Er hatte kein Problem mit Autorität, aber dass er Anweisungen von einem Kiltträger befolgen musste, das tat seiner englischen Seele dann doch ein bisschen weh. Noch dazu, wenn es sich um so einen beknackten Befehl handelte. Als ob er selbst nicht auf die Idee gekommen wäre, noch einen Gang zuzulegen.
Dabei war es ihm schleierhaft, woher die alte Frau diese Energie nahm. Immerhin war sie bald neunzig! Aber es lag wohl gar nicht allein an ihrer Fitness. Sie kannte das Gelände nun einmal besser als jeder andere auf diesem Planeten, hatte sie doch ihr ganzes Leben hier verbracht.
Als es das erste Mal passiert war, wären Simon fast die Augen aus dem Kopf gefallen. Es war zum Glück nur bei einem kleinen Familientreffen mit etwa 150 Gästen geschehen. Nicht auszudenken, wenn wirklich viele Leute anwesend gewesen wären. Sie hatte gerade eine ihrer üblichen Ansprachen zum Besten gegeben, die Simon fast schon im Schlaf mitreden konnte, als sie plötzlich innegehalten hatte. Es war dann etwa eine halbe Minute vergangen, in der sie nichts mehr gesagt hatte, doch ihr Gesicht hatte sich in dieser Zeit zusehends verändert. Die harten Züge waren immer weicher geworden, die straffen Lippen hatten sich zu einem breiten Grinsen verzogen und die Augen hatten begonnen zu leuchten, wie bei einem Kind am Heiligen Abend.
Was dann geschehen war, war das Unglaublichste, das Simon bis zu diesem Tag je gesehen hatte. Zuerst hatte sie nämlich ihren rechten Schuh ausgezogen und ihn über die Schulter nach hinten geworfen. Dann hatte sie den linken Schuh ausgezogen und sich seiner auf dieselbe Art entledigt. Und schließlich … schließlich hatte sie es getan.
Es war der erste Tag gewesen, an dem die Queen rannte.
Damals hatte Simon sich keinen Millimeter von seinem Platz bewegt, und das obwohl er als einer der königlichen Leibwächter darauf trainiert war, jeden möglichen Schaden von der Queen fernzuhalten. Ein Normalsterblicher konnte sich kaum ausmalen, für welche Katastrophen-Szenarien seine Kollegen und er ausgebildet wurden. Doch eine Monarchin, die aus heiterem Himmel los- und davonlief? Diese Möglichkeit war bis dahin im Leibwächterhandbuch vergessen worden. Seit letztem Jahr stand sie allerdings drinnen.
»Eure Majestät, bleibt doch bitte stehen!«
Simon hatte sich von seinen Gedanken ablenken lassen. Er wusste, dass er sich aber auf das Hier und Jetzt konzentrieren musste, auf diesen sechsten »Vorfall«, wie man es im Palast nannte. Es durfte ihm nicht wieder so ein Missgeschick wie bei ihrem dritten Lauf passieren. Das war vor vier Monaten gewesen, als sie bei einem Spaziergang plötzlich ausgebüxt war und Simon sie vor den Augen von Zivilisten wie einen Rugbyspieler umgerammt und zu Boden geworfen hatte. Ihm war nichts anderes übriggeblieben, denn die Queen war kerzengerade auf die Themse zugerannt.
Die leichten Prellungen mussten der Presse damals als Magen-Darm-Grippe verkauft werden. Zum Glück hatte Betty aus der PR-Abteilung auch noch die glorreiche Idee gehabt, den größten Polizisten Großbritanniens im Krankenhaus zu postieren, somit hatten die Journalisten etwas, worauf sie sich konzentrieren konnten. Die Zivilisten, die den Vorfall mitbekommen hatten, wurden motiviert, niemandem ein Sterbenswörtchen zu erzählen. Wie genau diese Motivation ausgesehen hatte, das hatte Simon selbst nicht gewusst. Womöglich war das auch besser so gewesen.
»Eure Majestät!«
Natürlich war Simon klar, dass seine Rufe rein gar nichts bewirken würden. Wenn die Queen in ihrem Lauf-Modus war, dann reagierte sie auf nichts mehr, da konnte man schreien, wie man wollte. Der Prinz hatte schon verschiedene Ärzte – allesamt Spezialisten – herbeigebracht, doch niemand hatte eine Diagnose stellen können. Zumindest keine, mit der man etwas anzufangen wusste.
Am Ende war man immer wieder am Anfang gewesen. Alle paar Wochen machte es scheinbar »klick« im Gehirn der Queen und dann musste sie rennen. Keiner konnte sagen, warum und wohin. Nicht einmal sie selbst, denn nachdem man sie bisher immer wieder eingefangen und mit Medikamenten beruhigt hatte, war sie sofort eingeschlafen. Wenn sie danach wieder aufgewacht war, hatte sie sich an nichts mehr erinnern können. Manchmal nicht einmal daran, dass sie die Queen war.
»Majestät!!!«
Es war ein letzter Versuch, doch fruchtlos. Wenigstens war die Queen nun schon in Reichweite. Simon hoffte nur, dass die Reporter sich alle auf der anderen Seite des Palastes befanden und nach wie vor damit beschäftigt waren, das jüngste Mitglied der königlichen Familie zu fotografieren. Das Baby war wahrlich ein Segen. Eine Wunderwaffe, wenn man die Aufmerksamkeit von der Queen ablenken wollte.
Simon griff nun nach ihrem linken Handgelenk, doch im letzten Moment schlug sie noch einen Haken, wodurch ihr Verfolger ins Leere fasste.
»Du blöde …«
Da hätte Simon beinahe etwas Unverzeihliches von sich gegeben, er beherrschte sich jedoch im allerallerletzten Moment. Stattdessen nahm er die Jagd wieder auf und tatsächlich gelang es ihm, die Hand der Queen zu ergreifen und festzuhalten. Mit scheinbar übermenschlichen Kräften versuchte diese sich aber herauszuwinden und weiterzulaufen.
Als sie nun strauchelte, reagierte Simon sofort und warf sich auf den Boden, sodass die Queen sicher auf ihm landen konnte. Dabei schlug er nur leider unglücklich mit dem Hinterkopf auf. Er bekam noch mit, wie die Queen auf ihn fiel, danach wurde alles für einige Zeit dunkel.
Bis es plötzlich blitzte.

KAPITEL 2
London.
Im Buckingham Palace.
Das Foto beherrschte die Medien in den nächsten Tagen.
»Das ist eine Katastrophe!«, schrie Betty Cunningham, die Chefin der PR-Abteilung. »Es sieht so aus, als würde die Queen ihren Leibwächter auf der Wiese liegend vernaschen!«
Tom MacKinley, Sicherheitschef der königlichen Familie, nahm die Tageszeitung zur Hand, die Betty ihm über den Tisch geworfen hatte. Die Titelseite zierte ein riesiges Farbfoto, auf dem Simon Ligety, einer seiner besten Männer, zu sehen war. Er lag am Rücken. Auf ihm befand sich die Queen. Wenn man daran glauben wollte, dann konnte es durchaus so aussehen, als würden sich die beiden küssen.
»Sie wissen so gut wie ich, dass es sich hierbei um ein großes Missverständnis handelt«, erwiderte MacKinley.
»Und ob ich das weiß! Das Missverständnis sind Sie und Ihre gesamte Leibwächtertruppe. Es liegt in Ihrer Verantwortung, die Queen zu beschützen und von unangenehmen Schlagzeilen fernzuhalten. Stattdessen tragen Sie zu solchen Schlagzeilen bei!«
»Wäre sie nicht weggerannt …«
»Das ist sie aber!«, unterbrach Betty den Sicherheitschef. »Zum sechsten Mal, wenn ich mich nicht irre. Und ich irre mich nie. Was denken Sie, wie lange ich diese Situation noch vor den Medien verbergen kann?«
MacKinley wusste es besser, als auf diese rhetorische Frage zu antworten. Mit seinen fünfunddreißig Dienstjahren konnte er sich noch sehr gut an Zeiten erinnern, in denen er den Ton im Buckingham Palace angegeben hatte. Seine war die einzige Stimme gewesen, die gezählt hatte. Doch das war schon lange her. Ohne dass er es mitbekommen hatte, hatten über Nacht die Medien die Weltherrschaft übernommen. Mit einem Mal ging es nicht mehr um die Sicherheit, sondern darum, wie man sich der Welt präsentierte. MacKinley war heute nur mehr ein Überbleibsel aus der alten Zeit und er fügte sich der mächtigsten Frau im Buckingham Palace: Betty, der PR-Managerin.
»Wenigstens macht sich eine lüsterne Queen besser auf der Titelseite als eine verrückte Queen«, meinte Betty dann aber doch, nachdem sie sich wieder etwas beruhigt hatte. »Nichtsdestotrotz wäre es für alle Beteiligten das Beste, wenn die Monarchin für einige Zeit aus Großbritannien verschwinden würde.«
MacKinley blickte skeptisch.
»Die Queen war gerade auf Urlaub. Ich glaube nicht, dass es einen guten Eindruck macht, wenn …«
»Kein Urlaub! Natürlich nicht. Ich spreche von einer Art … Staatsbesuch.«
Bevor der Sicherheitschef seine Bedenken über diesen zweiten – seiner Meinung nach keineswegs besseren – Vorschlag äußern konnte, öffnete sich die Tür und der Prinz trat ein. Sein schütteres Haar war nicht wie sonst ordentlich von einer Seite des Kopfes zur anderen gekämmt. Es wirkte vielmehr zerzaust, was aber gut zur deutlichen Gesichtsröte passte, mit der er auf Betty und MacKinley zukam. Den beiden war sofort bewusst, dass der Prinz stocksauer war, die Frage war nur: auf wen?
»Diese Situation ist nicht länger tragbar!«, rief er aufgebracht.
Dabei schlug er mit der Faust auf den Tisch, der in der Mitte des Raumes stand. Nun hatte dieser Wutausbruch leider nicht unbedingt den erwünschten Effekt. Der Prinz war schließlich auch nicht mehr der Jüngste und so passierte es, dass dieser vehemente Schlag – als der er geplant war – eher nur in einer leichten Berührung des Tisches endete. Es schien fast so, als wäre dem Prinzen auf halber Strecke die Kraft ausgegangen. MacKinley behielt seine eiserne Miene, doch Betty musste sich mit aller Macht ein Lächeln verkneifen.
»Ich bin derselben Meinung, Eure Königliche …«
»Ach, stecken Sie sich den König doch dorthin wo keine Sonne scheint!«, fuhr der Prinz Betty ins Wort.
»Irland?«, erwiderte MacKinley mit einem Schmunzeln.
Der Schotte konnte sich den Seitenhieb auf das Nachbarland nicht verkneifen, wobei er bewusst außer Acht ließ, dass die gezählten Sonnenstunden im Vereinten Königreich ebenfalls sehr rar gesät waren.
»Lassen Sie die Witze, MacKinley, dazu ist die Situation zu ernst«, sagte der Prinz, dabei fand er die spaßige Äußerung des Sicherheitschefs insgeheim ziemlich komisch. »Und Sie, Betty, hören bitte damit auf, mir Honig um den Mund zu schmieren. Es ist kein Geheimnis, dass ich mir die Königskrone abschminken kann. Ein alter König ist eine gute Sache, aber nur dann, wenn er schon als junger Mann gekrönt wurde. In meinem Alter so ein hohes Amt übernehmen? Unsinn! Wer bin ich? Ein Papst etwa? Papa Charlie, der Erste? Ach, vergessen Sie es.«
Frustriert nahm der Prinz einen Stuhl und ließ sich langsam in selbigen sinken. Er blickte einige Zeit auf ein Gemälde an der Wand, das einen seiner Vorfahren in zeremonieller Königskleidung auf dem Thron zeigte.
»Das waren noch Zeiten«, murmelte er in sich hinein.
Die beiden anderen Personen im Raum hatten kein Wort verstanden, aber sie hüteten sich davor, etwas zu sagen. Sie kannten die melancholische Stimmung des »ewigen Prinzen«, wie der Mann mit dem nachdenklichen Gesichtsausdruck und dem zerzausten Haar oft – aber nur in seiner Abwesenheit – genannt wurde.
»Es geht hier nicht um mich«, fuhr er letztendlich fort, »es geht um meine Mami. Ich werde nicht zulassen, dass diese … diese … gelegentlichen Aussetzer ihr Andenken besudeln. Ihr Geisteszustand darf unter keinen Umständen von der Öffentlichkeit in Frage gestellt werden.«
»Aber Eure Kön… wie auch immer …«, stammelte Betty, »die gute Nachricht ist doch, dass niemand im Land … und auf der ganzen Welt an den geistigen Fähigkeiten der Queen zweifelt.«
Es dauerte einige Sekunden des Schweigens, bis die PR-Managerin bemerkte, dass sie mit ihren Worten einen bösen Fehler begangen hatte. Der zuvor abgekühlte Kopf des Prinzen wurde schlagartig wieder knallrot. Er rang sichtlich mit seiner Fassung.
»Sie haben natürlich recht, Betty, niemand zweifelt daran, dass die Queen alle Sinne beisammen hat.«
Es brodelte in ihm wie in einem Vulkan, der kurz vor dem Ausbruch stand. Mehrmals schien es so, als würde das Magma an die Oberfläche kommen, doch der Prinz beherrschte sich jedes Mal. Bis zu dem Moment, in dem er sich nicht mehr beherrschen konnte.
»Nein, niemand hält sie für eine Verrückte«, schrie er Betty an, »aber dafür hält die ganze Welt meine Mami für eine Lust-Sissi!«
MacKinley hatte in seiner Zeit im Buckingham Palace mehr erlebt, als in eine ganze Enzyklopädie passen würde. Dabei hatte er Dinge gesehen und gehört, über die er mit keiner anderen Menschenseele je gesprochen hatte. Dinge, die ihm wahrscheinlich ohnehin niemand geglaubt hätte. Von den eindrucksvollsten Erlebnissen war dieser Ausbruch des Prinzen meilenweit entfernt, aber der Sicherheitschef hielt ihn für sich unter den Top 15 fest.
Die folgende Stille dauerte ewig und noch länger. Bettys Gedanken lieferten sich ein fieberhaftes Wettrennen. Die PR-Managerin hatte sich in eine Position manövriert, in der sie sich nicht wohlfühlte und die sie auch nicht gewohnt war. Immerhin war sie es, die in den letzten Jahren die eigentliche Chefin im Palast war. Doch die unerwartete Schroffheit des Prinzen hatte sie doch auf dem völlig falschen Fuß erwischt. Nun war es aber an der Zeit, in ihre wahre Rolle zurückzufinden, nur mussten die nächsten Worte gut gewählt werden.
»Ich habe eine Lösung für das Problem«, sagte sie mit fester und überzeugter Stimme. »Wie ich Mr. MacKinley vor wenigen Minuten mitgeteilt habe, halte ich es für das Beste, wenn die Queen für einige Zeit aus Großbritannien verschwindet. Ich denke da an einen Staatsbesuch, damit Gras über die Sache wachsen kann. Und wir alle wissen, wie schnell das Gras hier wächst, eine Woche sollte also genügen.«
Der Sicherheitschef gab einen Laut von sich, der allen Anwesenden seinen Unmut über diesen Vorschlag verdeutlichen sollte.
»Ich halte diese Idee für vollkommen schwachsinnig. So schnell lässt sich kein Staatsbesuch organisieren«, sagte er, um seine Gedanken zusätzlich in Worte zu fassen. »Und überhaupt, wie erklären Sie diese Spontanität der Presse? Die Queen ist nicht gerade dafür bekannt, überstürzte Entscheidungen zu treffen.«
»Lassen Sie die Presse nur meine Sorge sein«, erwiderte die PR-Managerin, »das liegt wohl eher in meinem Fachgebiet. Was das Temperament der Queen betrifft …«
Betty warf einen verstohlenen Blick auf die britische Tageszeitung mit dem riesigen Bild, das die Regentin in zweideutiger Pose auf ihrem Leibwächter zeigte.
»… Wir müssen uns der Sache bewusst sein, dass die Bevölkerung sie in nächster Zeit generell mit etwas anderen Augen betrachtet.«
Auch der Prinz sah sich das Bild noch einmal an, schlug die Hände ins Gesicht, rieb sich die Augen und erhob sich schließlich von seinem Stuhl.
»Tun Sie, was getan werden muss«, sagte er in ruhigem Ton zur PR-Managerin, danach ging er in Richtung Tür. »Und MacKinley, Sie befolgen Bettys Anweisungen und organisieren alles umgehend.«
Mit der letzten Silbe, die kaum noch hörbar war, verschwand der Prinz durch die Tür.
Der Sicherheitschef schüttelte ungläubig den Kopf. Er ahnte nichts Gutes, aber scheinbar war er der Einzige.
»Und«, fragte er spöttisch, »welchem Land werden wir so kurzfristig die Ehre erweisen?«
Betty lächelte.
»Einem Land, das uns schon seit Jahren um einen solchen Besuch regelrecht anfleht.«
»Anfleht?«, fragte MacKinley überrascht.
»In der Tat.«
»Welche Staatsführung ist denn derart verzweifelt?«

KAPITEL 3
Wien. Österreich.
Die Hofburg.
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Mehr Infos zu mir und meinen Büchern gibt es auf
www.patrickschnalzer.com
Ich würde mich über euer Interesse freuen! 😊
Liebe Grüße,
Patrick